Gespräch mit Regisseur Hans Weingartner und den beiden Hauptdarstellern am Sonntag (22.7.) um 19.00 Uhr, Friedrichsbau Freiburg
Regie: Hans Weingartner
Darsteller: Mala Emde, Anton Spieker, Thomas Schmuckert, Steven Lange, Martin Neuhaus
Deutschland 2018 | 139 Minuten | ab 12
Ein Zwei-Personenstück im Wohnmobil. Wenig Action. Viel Gequatsche. Fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn. Und doch fällt dieses Lovestory-Roadmovie überaus unterhaltsam aus… Hans Weingartners neuer kapitalismuskritischer Coup mit viel Zeit, zunehmendem Kribbeln im Bauch und Kultfilm-Qualitäten!
Jan (Anton Spieker) ist davon überzeugt, dass der Mensch von Natur aus egoistisch ist. Deswegen ist er auch nicht weiter überrascht, als ihn in Berlin seine Mitfahrgelegenheit versetzt. Jule (Mala Emde) hingegen glaubt, dass der Mensch im Kern empathisch und kooperativ ist. Beide unterwegs in Richtung Atlantik, bietet sie Jan einen Platz in ihrem 303-Oldtimer-Wohnmobil an. Jan will nach Spanien, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen, Jule zu ihrem Freund nach Portugal. Eigentlich soll die gemeinsame Fahrt nur bis Köln dauern, doch mit jedem Kilometer eröffnet sich etwas mehr von der Welt des Anderen. Macht der Kapitalismus den Menschen zum Neandertaler? Führt Monogamie ins Unglück? Und kann man sich aussuchen, in wen man sich verliebt? Sie durchqueren Frankreich, erreichen Spanien, ihre fesselnden Gespräche werden immer persönlicher – und es fällt ihnen zunehmend schwer, sich nicht ineinander zu verlieben…
Zur Cannes-Premiere von DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI trotzte Hans Weingartner einst dem Glamour und fuhr mit seinem klapprigen Campingbus am Roten Teppich vor. Ein altes Wohnmobil vom titelgebenden Typ 303 spielt nun die Hauptrolle in seinem neuen Film über zwei zufällige Weggefährten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die beiden philosophieren, streiten, flirten während der gesamten Reise – deutlich spürbar, welches Vergnügen Weingartner am Verfassen witzig-nachdenklicher Wortgefechte hat und wie nebenbei noch das Genre der philosophischen Screwball-Comedy zu erfinden scheint. Dass die geschliffenen Dialoge dabei spontan und natürlich klingen zu lassen, ist freilich das starke Stück, das Mala Emde (WIR TÖTEN STELLA) und Anton Spieker (VON JETZT AN KEIN ZURÜCK) mit so überzeugender Leichtigkeit liefern wie einst Julie Delpy und Ethan Hawke in der BEFORE SUNRISE-Trilogie, mit der Richard Linklater bereits bestens bewies, wie gut Plappern auf der Leinwand klappen kann. So verlässlich der alte Daimler, Baujahr 1980, mit gemächlichem Tempo gen Süden zuckelt, so pannenfrei entwickelt sich der Charme dieses vergnüglich nachdenklichen Roadmovies. Und beim Quatschen über Gott und die Welt und die letzten großen Fragen der Menschheit bleibt zudem noch ausreichend Zeit zum Suchen und Finden der Liebe: Slow-Dating auf 2.500 Kilometern quer durch Europa. Weingartners „Anti-Tinder-Film“ trifft einen Nerv: Zwei Menschen beim sich langsam ineinander Verlieben zuschauen. So wie es früher einmal war. Die erste Fahrprüfung vor Publikum hat 303 auf der Berlinale jedenfalls mit Bravour und Beifall bestanden!
"Eines der schönsten Roadmovies, das man je gesehen hat!" BERILNER ZEITUNG |