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Buch- und Lesetipps
| | | | | Buchtipp: Stephan Rammler "Eurotopia 2050" | Resilienz statt Resignation
Wie sieht ein Europa aus, das den Klimawandel nicht nur überlebt, sondern aktiv gemeistert hat? Stephan Rammler wagt in »Eurotopia 2050« den Blick nach vorn. Sein Szenario zeichnet einen sozial gerechten und klimaresilienten Kontinent – als visionären Gegenentwurf zur spaltenden Krisenpolitik der Gegenwart.
Die Ausgangslage ist ernst: Der aktuelle UN-Emissions-Gap-Report belegt das Überschreiten der 1,5-Grad-Marke und warnt vor einer Erwärmung um bis zu 2,8 Grad. Ein immer wahrscheinlicher werdender Kollaps der Atlantischen Umwälzbewegung (AMOC) könnte Nordeuropa zudem eine drastische Kälteperiode bescheren. Gleichzeitig schotten sich die autoritären Mächte USA, China und Russland zunehmend ab und setzen Europa geopolitisch unter Druck.
Doch was, wenn Europa nicht unter diesen Krisen zusammenbricht, sondern eine neue, verheißungsvolle Zukunft schafft? Genau dieser Frage geht Stephan Rammler in seinem Buch »Eurotopia 2050. Ein Kontinent wird resilient« nach. Im Mittelpunkt steht dabei die fiktive amerikanische Journalistin Carla Rodriguez, die begleitet von ihrer KI-Assistenz Joachim durch ein grundlegend transformiertes Europa reist. Im Jahr 2050 ist daraus ein klimaresilienter, kooperativer Staatenverbund von rund 520 Millionen Menschen geworden. Möglich gemacht haben das ein »Klimabauhaus« (z.B. begrünte Schwammstädte aus Kreislaufmaterialien, neue Mobilitätskonzepte, neue klimaangepasste Bauweisen, ein regeneratives Energiesystem, ein neues Wissenschafts- und Bildungssystem) sowie ein föderales, demokratisch kontrolliertes KI-Ökosystem und eine enge Kooperationen mit Afrika, Lateinamerika und Asien.
Der Autor verbindet in seinem Buch wissenschaftliche Expertise bewusst mit literarischer Erzählung, denn »bloße Fakten und Verlustszenarien erzeugen nur Abwehr, keine Motivation. Erst greifbare, positiv besetzte Zukunftsszenarien setzen die nötige Handlungsenergie frei. Würde dies wieder stärker als politische Gestaltungskraft begriffen, wäre schon viel gewonnen.«
oekom Verlag 2026, 408 Seiten, € 25,00 (D), 25,70 (A)
ISBN 978-3-98726-532-7 | | | | | |
| | | | | | Buchtipp: John Burnside "Von Riesenalken und Auerochsen" | Über das Verschwinden der Arten und unseren Platz in der Natur
Übersetzt von Bernhard Robben
Im Jahr 1844 thronen zwei große, schwarzweißgefiederte Vögel auf einem Basaltfelsen vor der Küste Islands. Doch Museumssammler haben es auf sie abgesehen. Mit ihrem watschelnden Gang versuchen die pinguinähnlichen Tiere zum Rand der Klippe zu fliehen; sie können jedoch nicht fliegen und werden in die Enge getrieben. So rotten die Sammler unwissentlich eine ganze Art aus: die Riesenalke.
In seinen Essays begibt sich John Burnside auf die Spuren einer wilderen, reichhaltigeren Welt, und reflektiert auf kluge und berührende Art und Weise das Problem des menschenverursachten Aussterbens. Dabei geht es nicht nur um Artensterben, Burnside schließt verlorene Orte, Sprachen und kulturelle Vielfalt mit ein. So ist »Von Riesenalks und Auerochsen«
Natur-, Kulturgeschichte und Zivilisationskritik zugleich, die für ein neues Verständnis unserer eigenen Sterblichkeit und unseres Platzes in der Welt eintritt. Eine tieftraurige Beschwörung dessen, was wir verloren haben – und ein dringliches Plädoyer dafür, das zu schützen, was uns noch bleibt.
John Burnside (1955-2024), geboren in Schottland, zählt zu den profiliertesten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags, dem Petrarca-Preis und dem Spycher-Literaturpreis. Mit »Lügen über meinen Vater« (2006), »Wie alle anderen« (2010), »Über Liebe und Magie – I put a spell on you« (2014) und »What light there is – Über die Schönheit des Moments« (2020) schrieb er mehrere Memoirs, die von Kritikern wie Lesern begeistert gefeiert wurden. Zuletzt erschien sein Erzählband »So etwas wie Glück: Geschichten über die Liebe«. 2023 wurde er mit dem renommierten David Cohen Prize für sein Lebenswerk ausgezeichnet. John Burnside starb am 29. Mai 2024 im Alter von 69 Jahren.
Verlag Penguin 2026, 192 Seiten, € 24,00 (c) 24,70 (A) / SFr 33,50
ISBN 978-3-328-60318-4 | | | | | |
| Plakatmotiv © Mit Unterstützung von KI, Gestaltung: Tobias Mittag | | | | | Leonardo da Vinci – Erfindungen erleben | Neue interaktive Sonderausstellung
im Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Leonardo da Vinci (1452–1519) war ein berühmter Maler, Universalgelehrter und visionärer Erfinder. Mit der Sonderausstellung „Leonardo da Vinci – Erfindungen erleben“ laden die Reiss-Engelhorn-Museen ab 11. Oktober 2026 in die Werkstatt des genialen Ingenieurs und seine faszinierende Gedankenwelt ein.
Nach einer besonderen Begrüßung durch die Mona Lisa geht es auf eine interaktive Entdeckungsreise zu den Ideen des Meisters, die ihrer Zeit oft weit voraus waren. Leonardo experimentierte mit neuartigen Antrieben und entwickelte Maschinen für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Er entwarf Brücken, Fahrzeuge und ließ sich von der Natur zu ungewöhnlichen Flugobjekten inspirieren. 30 Mitmach-Stationen und interaktive Modelle, die exakt nach seinen Zeichnungen gefertigt wurden, sorgen für viel Bewegung und ein immersives Erlebnis. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Hochschule Bielefeld und dem Projekt „DaVinci@HSBI“ statt.
Die Ausstellung passt perfekt in die Erfinderstadt Mannheim, in der u.a. Fahrrad und Automobil ihren Anfang nahmen. Die Reise endet jedoch nicht in der Vergangenheit – ausgewählte Mannheimer Start-ups zeigen in der Schau, wie sie Leonardo da Vincis Innovationskraft heute mit frischen Impulsen fortführen. | | | | | |
| | | | | | Buchtipp: Alfred Platow "Ökokapitalist" | Wie ein Linksalternativer die Finanzbranche aufmischte. Eine Biografie
Für die linke Szene zu sehr Kapitalist, für die Finanzbranche zu sehr Aktivist: Alfred Platow bewegt sich in zwei Welten und gilt als Pionier des nachhaltigen Investments in Deutschland. Sein Credo: Wer etwas verändern will, muss kapitalistisch denken - und sollte dabei immer Humanist bleiben. Er beriet Inhaber von Bioläden, kümmerte sich um Umweltaktivist*innen, erfand grüne Finanzprodukte und startete 1996 den ersten ethisch-ökologischen Investmentfonds Deutschlands.
In seinen Memoiren erzählt er von einem Leben zwischen Barrikade und Börse: von Anti-Atomkraft-Demos und besetzten Häusern bis zum Aufbau der Ökoworld AG, einer der bekanntesten Adressen für nachhaltige Geldanlage im deutschsprachigen Raum. Sie zeigen, was Platow zeitlebens antreibt: dass man mit Geld auch anders umgehen kann.
»Die Macht über das Geld hat die Person oder die Institution, die es anlegt.«
Alfred Platow
oekom Verlag 2026, 344 Seiten, € 26,00 (D)
ISBN: 978-3-98726-570-9 | | | | | |
| | | | | | Buchtipp: Roland Weis "Lawinentod" | Schwarzwaldkrimi
Bei einem Lawinenabgang am Feldberg kommt ein Mann ums Leben. Was zunächst als tragischer Unfall erscheint, erweist sich im weiteren Verlauf des Romans als Mord. „Goodwood-Waldernews“ heißt die Redaktionsplattform, für die Lokalreporter Alfred stets auf der Suche nach Neuigkeiten aus dem Hochschwarzwald ist. Seine Recherchen nützen oder behindern mitunter die Arbeit der Freiburger Kriminalpolizei. Der neue Fall führt Alfred auf ungewohntes Terrain: Obwohl der Hochschwarzwälder noch nie auf Skiern gestanden hat, muss er diesmal auf die Piste.
Roland Weis verbindet Fiktion mit realen Schauplätzen, Personen und Begebenheiten. Dazu gehören im aktuellen Buch neben dem Feldbergareal der Michelishof in Neustadt und das Rehazentrum in Höchenschwand. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Feldberg und einige örtliche Skischulen spielen eine Rolle. Wieder mit dabei ist das aus früheren Bänden bekannte Stammtischpersonal des Neustädter Gasthauses Spritz.
Als promovierter Historiker greift der Autor Themen der Regionalgeschichte auf. In „Lawinentod“ führt er seine Leserschaft unter anderem zu den Anfängen des Skibetriebs am Feldberg, erinnert an Lawinenunglücke und erzählt von traditionsreichen Berghütten wie der Todtnauer Hütte und der Menzenschwander Hütte.
Der Autor Roland Weis, geb. 1958 in St. Georgen/Schwarzwald, ist promovierter Historiker und gelernter Redakteur. Zwanzig Jahre lang leitete er die Unternehmenskommunikation eines großen regionalen Energieversorgers. Weis gilt als Begründer des Schwarzwaldkrimis. Das Genre entstand während eines SWR-Radiointerviews Ende der 1990er-Jahre. Roland Weis war damals Redakteur und wettete mit einem Freiburger Verleger, innerhalb eines halben Jahres einen Krimi mit dem Schauplatz Hochschwarzwald zu schreiben. Die Wette wurde eingelöst und „Der Güllelochmord“ erschien 1998 im Sternwald Verlag. Seit 2016 veröffentlicht der Freiburger Rombach Verlag die Reihe.
Rombach Verlag 2026, 282 Seiten, € 16,00 (D)
ISBN 978-3-7930-6145-8
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| | | | | | Buchtipp: Adib Khorram "Ein Wort, zehn Buchstaben" | Wenn ein einziges Wort zur Waffe wird
Dayton und Farshid könnten unterschiedlicher kaum sein, zumindest auf den ersten Blick. Als Dayton einen Gastautor vor der ganzen Schule homophob beschimpft, löst er eine Welle aus, die das gesamte Umfeld der Jungen erschüttert. Die Folgen treffen Dayton mit voller Wucht: seine Freunde wenden sich ab, seine Eltern sind fassungslos. Währenddessen ringt Farshid mit seinen Gefühlen – und damit, was es bedeutet, queer zu sein. Als sich ihre Wege kreuzen, stehen beide Jungen vor denselben Fragen: Was für Männer wollen sie werden? Und haben sie den Mut, gesellschaftliche Erwartungen hinter sich zu lassen?
Doppelte Perspektive: Zwei Jungen erzählen abwechselnd, was ein einziger Satz in ihrem Leben anrichtet.
Queere Coming-of-Age-Geschichte über Zugehörigkeit, Scham und die Angst, sich zu zeigen.
Thema Männlichkeit für Jugendliche ab 12, die sich fragen, wer sie sein wollen.
Diskussionsstoff für Schule und Familie: Täter und Betroffener bekommen hier beide ein Gesicht.
Carlsen Verlag 2026, 240 Seiten, € 15,00 (D), 15.50 (A) / SFr 21.90
ISBN 978-3-551-58685-8 | | | | | |
| | | | | | Buchtipp: "Slow Food Genussführer 2027/28" | Die besten Restaurants und Gasthäuser in Deutschland
Hohe Energie- und Lebensmittelkosten, eine schlechte Wirtschaftslage und mangelndes Personal: Die Gastronomie leidet. Wer unter diesen Vorzeichen dennoch auf regionale Herkunft, handwerkliche Küche und faire Bezahlung setzt, verdient besondere Aufmerksamkeit. Genau hier setzt der neue »Slow Food Genussführer 2027/28« an und weist den Weg zu Orten, an denen Qualität und Verantwortung auf den Teller kommen.
Mit lebendigen und persönlichen Beschreibungen präsentiert der »Slow Food Genussführer 2027/28« Gasthäuser in ganz Deutschland, die nach Slow-Food-Kriterien ausgewählt wurden. Getreu dem Motto »gut, sauber, fair« bestimmen hier frische, regionale und saisonale Zutaten und eine handwerklich gekonnte Zubereitung die Küche, ohne Convenience-Produkte, unerwünschte Zusatzstoffe oder industrielle Geschmacksverstärker. Die Lokale bieten vorwiegend eine regional-traditionelle Küche an, die häufig zeitgenössisch angepasst ist. Doch finden sich auch andere gastronomische Konzepte, die den Vorstellungen von Slow Food ebenfalls entsprechen. Übersichtliche Markierungen für biozertifizierte Lokale, Brauereigasthöfe, Gasthöfe mit Weingut oder herausragendem vegetarischen Angebot erleichtern die Auswahl nach persönlichen Präferenzen.
Genussvolle Entdeckungstouren
Die inzwischen siebte Ausgabe versammelt mehr als 450 Gasthäuser, die von über 500 Slow-Food-Tester*innen auf Herz und Nieren geprüft wurden. Wer neben gutem Essen auf der Suche nach weiteren Aktivitäten ist, findet auch Wander-, Rad- und Ausflugstipps sowie Hinweise auf empfehlenswerte Produzent*innen und Manufakturen im direkten Umfeld der Lokale. So wird aus der Einkehr ein ganzer Tag voller Erlebnisse. Natürlich dürfen auch in dieser Ausgabe die typische »Kleine Warenkunde« und das beliebte »ABC der regionalen Spezialitäten« nicht fehlen
Ausgezeichnet für Qualität und Verantwortung
Zwar gehören die ausgewählten Gastronomien nicht immer zu den günstigsten. Herausragende Qualität, faire Bezahlung, Wertschätzung der gesamten Lieferkette und Engagement für Natur und Umwelt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten konsequent hochzuhalten, ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Slow Food Deutschland würdigt diese Leistung mit dem Genussführer. »Es wäre unter den gegebenen Umständen leicht, an der Qualität zu sparen«, so Ingo Plessing, Leiter des Herausgeberteams. »Dass so viele Gasthäuser das Gegenteil tun, verdient unsere Bewunderung – und eine Auszeichnung im Genussführer.«
oekom Verlag 2026, 600 Seiten, € 38,00 € (D), 39,10 (A)
ISBN 978-3-98726-530-3
Buchvorstellungen:
25. September 2026 | 18 Uhr | Leipzig
Buchvorstellung mit Verkostung
Buchhandlung Thalia, Grimmaische Straße 10, 04109 Leipzig
14. Oktober 2026 | 19:30 Uhr | München
Buchvorstellung mit Verkostung
Buchhandlung Literatur Moths, Rumfordstraße 48, 80469 München | | | | | |
| | | | | | Buchtipp: Dörte Hansen "Broder" | Roman
Broder Bahnsen wollte nie etwas anderes als Bauer werden, Nachfolger seines Vaters, der ihm den »Kuhverstand« vererbt hat, das Gespür für Tiere. Aber den Hof bekommt sein Zwillingsbruder Henning, nur wenige Minuten älter, immer schon selbstbewusster und mehr an Maschinen interessiert.
Vom Hof vertrieben, baut Broder Bahnsen sich ein Gegenleben auf, wird Tierarzt und hält Abstand zum Betrieb, bis er nach über zwanzig Jahren wiederkommt und eine Praxis in der Nähe der Familie übernimmt. Ab da kümmert er sich auch um die Herde seines Bruders, der den elterlichen Hof zu einem hochmodernen Vorzeigebetrieb gemacht hat, mit Kühen, die auf maximale Milchleistung gezüchtet wurden.
Doch der Erfolg hat seinen Preis. Broder ist der erste, der bemerkt, dass Henning langsam die Kontrolle über seinen Hof verliert. Und muss sich plötzlich fragen, ob er darauf nicht all die Jahre nur gewartet hat. Ist das die Gelegenheit, endlich den Platz seines Bruders einzunehmen? Oder hegt er genau wie seine Tochter Claire schon längst Zweifel an dieser Art der Tierhaltung?
Dörte Hansen schreibt mit großer Klarsicht über eine Welt, in der unser Wachstumsglaube an seine Grenzen stößt und sich die Frage nach der Verantwortung gegenüber der Schöpfung immer dringender stellt.
Penguin Verlag 2026, 224 Seiten, € 26,00 (D)
ISBN 978-3-328-60455-6 | | | | | |
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