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Dienstag, 12. November 2019
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Buchtipps 
 
Buchtipp: Stephan Sigg
 
Buchtipp: Stephan Sigg "Abschied von meiner Oma"
Wenn Großeltern sterben, ist das für viele junge Erwachsene ein besonders großer Verlust.

In seinem Buch „Abschied von meiner Oma“ führt Stephan Sigg ein inneres Gespräch mit der Person, die wie kaum ein zweiter Mensch sein Leben prägte – eine Erfahrung, die viele junge Menschen heute im Blick auf ihre Großeltern teilen. Ein Buch über den Abschied, das bei aller Trauer dankbar an die Schätze erinnert, die seine Großmutter ihm ins Leben mitgegeben hat.

Der Autor Stephan Sigg, geb. 1983, wuchs im St. Galler Rheintal und bei seiner Oma am Bodensee auf. Sie weckte in ihm auch die Faszination für Bücher, Geschichten und das Schreiben. Heute ist er als Journalist und Autor tätig.

Patmos Verlag 2019, 136 Seiten, € 15,00 (D), 15,50 (A)
ISBN: 978-3-8436-1164-0
 
 

Hörspieltipps 
 
 
Hörspieltipp: Gewinnerstück des Deutschen Hörspielpreises der ARD 2019
Vom 6. bis 10. November finden in Karlsruhe erneut die ARD Hörspieltage statt. Neben fünf weiteren Auszeichnungen wird dort der "Deutsche Hörspielpreis der ARD" verliehen. Zwölf herausragende Produktionen aus Deutschland. Österreich und der Schweiz stehen im Wettbewerb. Den Juryvorsitz hat die Moderatorin, Journalistin und Schriftstellerin Jenni Zylka. Weitere Jurorinnen sind die Schauspielerin Jenny Schily, die Regisseurin und Schauspielerin Maryam Zaree, die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sowie die Musikberaterin Milena Fessmann. Während der Hörspieltagediskutiert die Runde öffentlich über die Hörspiele und entscheidet am 9. November, welche Produktion die renommierte Auszeichnung erhält. Sie hören die Jurybegründung und das Gewinnerstück.

Sonntag, 10. November 2019, 18:20 Uhr, ca. 90´00 Min.
ARD Hörspieltage 2019
 
 

Kurz-Essay 
 
Lars Jaeger
Lars Jaeger / Foto: Archiv
 
Lars Jaeger "Googles neuer Quantencomputer"
Erleben wir gerade einen Sputnik-Moment in der Informationstechnologie?

"Ein Begriff, der den meisten Menschen so unheimlich-bizarr wie aufregend-futuristisch vorkommt, drängt in die Sphäre der öffentlichen Aufmerksamkeit. Er kombiniert die technologische Allmacht des digitalen Rechnens mit der ehrfurchteinflössenden Komplexität und Abstraktheit der bedeutendsten physikalischen Theorie des 20. Jahrhunderts. Die Sprache ist vom Quantencomputer. Er verspricht eine neue technologische Revolution, die das 21. Jahrhundert ähnlich stark prägen könnte wie die Entwicklung digitaler Schaltkreise das 20. Jahrhundert formte.

Lange waren Quantencomputer Stoff für Science-Fiction und ihre Realisierung lag weit in der Zukunft. Doch bekannterweise nähert sich uns die Zukunft immer schneller. Nun hat Google durchsickern lassen, dass ihnen die Konstruktion eines ersten Quantencomputers gelungen sei, der ein Problem lösen kann, an dem sich ein herkömmlicher Computer die Zähne ausbeisst. Konkret habe der Computer-Chip Sycamore für eine spezielle Rechenaufgabe, für die der weltbeste Supercomputer 10 000 Jahre benötigt, gerade einmal 200 Sekunden gebraucht. Google selbst hat die Eigenschaft eines Quantencomputers, jedem existierenden klassischen Computer bei der Bewältigung von bestimmten Aufgaben überlegen zu sein, bereits vor Jahren als quantum supremacy getauft. Nun scheint der Moment einer solchen „Quantenüberlegenheit* gekommen zu sein. Wir könnten also gerade Zeuge eines Sputnik-Moments in der Informationstechnologie werden. Auch wenn es sich hier eher um einen symbolischen Meilenstein handelt, da das von Sycamore gelöste Problem doch eher von sehr akademischer Natur ist, so könnte die Leistung von Google die Quanteninformationstechnologie ähnlich stimulieren wie der historische Sputnik-Moment der 1950er die Raumfahrt.

Doch was ist eigentlich ein Quantencomputer? Dazu sei zunächst gesagt: Obwohl auch herkömmliche Computer immer kleinere Bauteilen verwenden, bei denen Quanteneffekte eine wichtige Rolle spielen, so basiert ihre Funktionsweise doch prinzipiell vollständig auf der klassischen Physik. Die allen heutigen Computern zugrunde liegende, so genannte von-Neumann-Architektur sorgt dafür, dass die einzelnen Rechenschritte sequentiell, also Bit für Bit abgearbeitet werden. Diese kleinstmöglichen Informationseinheiten nehmen dabei jeweils entweder einen wohldefinierten Zustand von 1 oder 0 an. Quantencomputer hingegen verwenden in ihrem Kern direkt die Eigenschaften der Quantentheorie, womit sie einer völlig anderen Informationstheorie unterliegen Die Entsprechung des klassischen Bits ist in Quantencomputern das Quantenbit, kurz Qubit. Und Qubits haben es in sich: So können sie beispielsweise beide Zustände, also 0 und 1, simultan annehmen, sowie alle Zwischenwerte dazwischen, also z.B. „halb 1“ und „halb 0“. Dies liegt an den Möglichkeiten von Quantenzuständen, in so genannten „Superpositionen“ zu existieren, Überlagerungen sich klassisch gegenseitig ausschliessender Zustände. Diese bizarre Eigenschaft von Quantenteilchen war einst unter den Vätern der Quantenphysik Auslöser hitziger Diskussionen, die ihren Ausdruck zuletzt in dem bekannten Gedankenexperiment der Schrödinger‘schen Katze fanden. Dazu kommt, dass sich verschiedene Quantenteilchen in so genannte verschränke Zustände bringen lassen. Auch das ist eine Eigenschaft, die wir in unserer, klassischen Welt nicht kennen. Es ist, als ob die Qubits mit einer unsichtbaren Feder aneinandergekoppelt sind. Über eine „spukhafte Fernbeziehung“ (ein Begriff, den ursprünglich Albert Einstein in ironischer Absicht erfand, der diese Verschränkung für unmöglich hielt) stehen sie sozusagen allesamt direkt in Kontakt miteinander. Jedes Quantenbit „weiss“ dann, was die anderen gerade treiben.

Verschränkte Qubits liegen also in einer Superposition unendlich vieler verschiedener Zustände zugleich vor, die zugleich durch ein unsichtbares und unmessbares Band miteinander verbunden sind. Salopp gesagt: dieses Vielteilchensystem nimmt simultan alle möglichen Zustände ein. Bestimmte Zustände werden (mit einer jeweiligen Wahrscheinlichkeit) erst bei einer physikalischen Messung realisiert. Vorher sind sie objektiv unbestimmt - auch das ist wieder so eine merkwürdige Eigenschaft in der Quantenwelt. Mit Hilfe eines entsprechenden Algorithmus lassen sich nun verschränkte Qbits allesamt gleichzeitig verarbeiten. Es ist, als ob viele Schokoladenfabriken gleichzeitig ihre Fliessbänder angeworfen hätten und nun alle parallel Schokolade produzieren. Je mehr Qubits miteinander verschränkt sind, desto mehr Zustände können parallel verarbeitet werden. Anders als in herkömmlichen Computern, deren Rechenleistung linear mit der Anzahl der Rechenbausteine steigt, erhöht sich damit die Leistung eines Quantencomputers exponentiell mit der Anzahl der eingesetzten Qubits. Die Leistung eines Quantencomputers verdoppelt sich also nicht erst, wenn zu 100 Qubits weitere 100 Qubits hinzugeschaltet werden, sondern bereits, wenn nur ein einziges Qubit zu den 100 Qubits hinzugefügt wird. Kommen 10 dazu, vertausendfacht (genauer 1024-fach) sich seine Leistung, bei 20 neuen Qubits ist der Quantencomputer bereits eine Millionen Mal so schnell, bei 50 neuen Qubits eine Millionen Milliarden Mal. Und bei 100 neuen Informationsträgern, wenn sich die Leistungsfähigkeit eines klassischen Computers gerade mal verdoppelt hat, lässt sich die Erhöhung der Leistungsfähigkeit eines Quantencomputers kaum mehr in Zahlen benennen. Mit dieser enormen Macht der Parallelrechnung liessen sich Probleme lösen, die selbst für die heute in Physik, Biologie, Wetterforschung und anderswo eingesetzten „Supercomputer“ noch bei weitem zu schwierig zu verarbeiten sind.

Bei näherer Betrachtung lässt sich ist die massive Parallelisierung durch verschränkte Zustände allerdings nicht ganz mit parallel arbeitenden Schokoladenfabriken vergleichen. Information, die in verschränkten Systemen gespeichert und verbreitet wird, ist sehr verschieden von der Information die von gewöhnlichen digitalen Computern verarbeitet wird. Quantencomputer arbeiten nicht im wörtlichen Sinne parallel, sondern sie organisieren die Information so, dass diese über sehr viele verschränkte Komponenten des Gesamtsystems verteilt ist Man stelle sich ein Buch mit 100 Seiten vor. Für ein gewöhnliches klassisches Buch gilt, dass jedes Mal, wenn man eine Seite liest, man weitere 1% des Inhalts des Buches erfasst hat. Nachdem man alle Seiten einzeln gelesen haben, weiss man alles, was im Buch steht. Bei einem Quantenbuch, in dem die Seiten miteinander verschränkt sind, liegen die Dinge anders. Betrachtet man darin die Seiten einzeln, sieht man nur zufälliges Kauderwelsch, und nachdem man alle Seiten nacheinander gelesen hat, weiss man immer noch sehr wenig über den Inhalt des Buches. Denn in einem Quantenbuch die Information nicht auf den einzelnen Seiten aufgedruckt ist, sondern fast ausschliesslich in der Korrelation der Seiten untereinander kodiert ist. Wer das das Buch lesen will, muss also alle Seiten gleichzeitig betrachten.

Fünf Felder, deren Probleme heutige Computer – und seien sie noch so gross – überfordern, sollen aufzeigen, welche fantastischen Möglichkeiten sich mit einem Quantencomputer eröffnen:

1. Kryptographie: Heute gängige Verschlüsselungen beruhen auf der Re-Faktorisierung der Produkte zweier sehr grosser Primzahlen. Ab einer bestimmten Zahlengrösse ist diese Aufgabe für einen klassischen Computer nicht mehr zu lösen. Der Informatiker Peter Shor entwickelte 1994 einen Algorithmus, mit dessen Hilfe ein Quantencomputer die grössten Produkte heute verwendeter Primzahlen innerhalb von Minuten in ihre Teiler faktorisieren könnte.

2. Lösung komplexer Optimierungsaufgaben: Die Aufgabe, aus vielen Varianten die optimale Lösung zu finden, gilt unter Mathematikern als besonders knifflig. Solche Probleme treten in der industriellen Logistik, im Design von Mikrochips oder auch in der Optimierung von Verkehrsflüssen auf. Bereits bei einer geringen Zahl von Varianten steigen klassische Computer bei der Berechnung optimaler Lösungen aus. Quantencomputer könnten solche Optimierungsprobleme dagegen in vergleichsweise kurzer Zeit lösen.

3. Bedeutende Anwendungen könnten auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz liegen: Die dort verwendeten „tiefen neuronale Netze“ sind mit harten kombinatorischen Optimierungsprobleme verbunden, die von Quantencomputern weitaus schneller und besser gelöst werden können als von klassischen Computern.

4. Suche in grossen Datenbanken: Beim Durchsuchen unsortierter Datenmengen muss ein klassischer Computer jeden Datenpunkt einzeln betrachten. Die Suchdauer steigt daher linear mit der Anzahl der Datenpunkte und wird damit bei grossen Datenmengen für einen klassischen Computer schnell zu gross. Im Jahr 1996 veröffentlichte der Informatiker Lov Grover einen Quantencomputer-Algorithmus, für den die Anzahl der notwendigen Rechenschritte nur noch mit der Wurzel der Datenpunkte anwächst. Anstatt bei einer Milliarde Dateneinträgen tausendmal so lange zu brauchen wie bei einer Million, würde dies mit einem Quantencomputer und dem „Grove-Algorithmus“ nur noch etwas mehr als 30-mal so lang dauern – im Falle sehr grosser Zahlen eine atemberaubende Verbesserung.

5. Auffinden neuer chemischer Verbindungen: Auch bei der Simulation von Quantensystemen kommen immer wieder komplexe Optimierungsprobleme vor, bei denen es darum geht, aus vielen Alternativen die bestmögliche, d.h. energetisch günstigste Konfiguration der Elektronen in einem Atoms oder Moleküls zu finden. Theoretische Physiker und Chemiker schlagen sich seit Jahrzehnten bei eher beschränktem Erfolg mit solchen Problem herum. Quantencomputer könnten das Verhalten der beteiligten Elektronen direkt abbilden und modellieren, da sie sich selber wie ein Quantensystem verhalten. Mit dem damit möglichen besseren Verständnis von Moleküle und den Details der chemischen Reaktionen liessen sich beispielsweise neue Medikamente oder auch weit effizientere Batterietechnologien entwickeln.

Einige Physiker glauben sogar, mit einem Quantencomputer jegliche Problemstellungen in der Natur berechnen zu können, vom Verhalten schwarzer Löcher, der Entwicklung des ganz frühen Universums, der Kollisionen hochenergetischer Elementartteilchen bis hin zum Phänomen der Supraleitung und der Modellierung der 100 Milliarden Neuronen und der noch einmal eintausend mal grösseren Anzahl ihrer Verbindungen in unserem Gehirn. Auf jeden Fall lohnt es sich, in den nächsten Woche und Monaten die Wissenschaftsteil der Tageszeitung etwas genauer zu lesen."

Der Autor Lars Jaeger hat Physik, Mathematik, Philosophie und Geschichte studiert und mehrere Jahre in der Quantenphysik sowie Chaostheorie geforscht. Er lebt in der Nähe von Zürich, wo er – als umtriebiger Querdenker – zwei eigene Unternehmen aufgebaut hat, die institutionelle Finanzanleger beraten, und zugleich regelmäßige Blogs zum Thema Wissenschaft und Zeitgeschehen unterhält. Überdies unterrichtet er unter anderem an der European Business School im Rheingau. Die Begeisterung für die Naturwissenschaften und die Philosophie hat ihn nie losgelassen. Sein Denken und Schreiben kreist immer wieder um die Einflüsse der Naturwissenschaften auf unser Denken und Leben. Seine letzten Bücher „Die Naturwissenschaften. Eine Biographie“ (2015) und „Wissenschaft und Spiritualität“ (2016) sind bei Springer Spektrum erschienen. Im August 2017 erschien „Supermacht Wissenschaft“ beim Gütersloher Verlagshaus und sein neuestes Buch „Die zweite Quantenrevolution“ erschien im August 2018 bei Springer.
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Lesungen / Vorträge 
 
 
Wolfgang Huber in der Christuskirche
Lesung seines neuen Bonhoeffer-Buches

„Allein in der Tat ist die Freiheit": Unter diesem Titel, der einem Gedicht Dietrich Bonhoeffers entstammt, erwartet die Besucher der Christuskirche (Wiehre) am Donnerstag, 7. November, ein besonderer „Leckerbissen". Um 19:30 Uhr wird Bischof i.R. Prof. Dr. Wolfgang Huber (Berlin) dort aus seinem neuesten Buch „Dietrich Bonhoeffer. Auf dem Weg zur Freiheit" lesen.

Sowohl im akademischen Amt als Professor für systematische Theologie und Ethik wie auch in höchsten kirchlichen Leitungsämtern hat sich Wolfgang Huber über Jahrzehnte immer wieder mit Leben, Denken und Werk Dietrich Bonhoeffers auseinandergesetzt. Er gilt als einer der besten Bonhoeffer-Kenner weltweit. Als reife Frucht einer fast lebenslangen Beschäftigung hat Huber in diesem Jahr das genannte Buch vorgelegt.

Dass der langjährige Berliner Bischof und EKD-Ratsvorsitzende von 2003 bis 2009 in der Christuskirche liest, ist kein Zufall. Wolfgang Huber ist in Freiburg aufgewachsen und wurde an der Christuskirche „kirchlich sozialisiert". Zuletzt konnte er dort seine diamantene Konfirmation feiern. Als die Christuskirche nach langer Renovierung am 1. Advent 2016 feierlich wieder liturgisch in Dienst genommen wurde, hielt Wolfgang Huber die Festpredigt.

Musikalisch wird der Abend umrahmt von Claudia Oltzscher (Gitarre) und Christina Lieberwirth-Morris (Violine). Der Eintritt ist frei; eine Spende am Ausgang wird erbeten.
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Museums- und Ausstellungstipps 
 
 
Karlsruhe: Sonderführung durch die Städtische Galerie
"Ein anderer Blick" auf die Schau zur Nachkriegskunst in Karlsruhe

Unter der Überschrift "Ein anderer Blick" laden Gemälderestauratorin Anna Virgin und Kuratorin Sylvia Bieber Besucherinnen und Besucher für Mittwoch, 6. November, um 18 Uhr zu einem Rundgang durch die Ausstellung "Tradition und Aufbruch. Nachkriegskunst in Karlsruhe" in die Städtische Galerie ein. Eintritt und Teilnahmegebühr kosten 7 Euro, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Die etwa 150 Kunstwerke in der Ausstellung gehören bis auf wenige Ausnahmen zum Sammlungsbestand der Städtischen Galerie. Viele von ihnen waren noch nie oder schon lange nicht mehr öffentlich ausgestellt. Bei der Vorbereitung der Präsentation mussten daher auch umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen realisiert werden.
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Hörspieltipps 
 
 
Hörspieltipp: Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel
Live-Hörspiel aus dem ZKM Karlsruhe
Nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Ende
Musik: Bernd Keul
Hörspielbearbeitung: Ulla Illerhaus
Regie: Thomas Leutzbach
(Produktion: WDR/BR/Dlf Kultur/hr/NDR/SWR/RB/rbb 2019)
Audio unter SWR2.de/hoerspiel

In den Königreichen rechts und links vom Berg herrscht Ratlosigkeit. Kamuffel und Kamelle haben vergessen, Serpentine Irrwisch, die dreizehnte Fee, zur Taufe ihrer Tochter, Prinzessin Praline, einzuladen. Und auch Pantoffel und Pantine haben die Fee mit einer Einladung zur Taufe ihres Sohnes, Prinz Saffia, nicht bedacht. Die Fee ist verärgert und bedenkt die beiden Familien mit einem Geschenk, das für sich allein allerdings eher nutzlos ist. Die einen erhalten eine Schüssel, die anderen einen Löffel, und jedes der beiden Geschenke braucht das andere. Doch das zu kriegen, ist nicht soeinfach.

Sonntag, 10. November 2019, 14:05 Uhr, Ursendung, ca. 51´00 Min.
SWR2 Spielraum - LIVE
 
 

Museums- und Ausstellungstipps 
 
Ausstellungstipp: ARCHITEKTUR FÜR DEN MENSCHEN
© Vastushilpa Foundation, Ahmedabad
 
Ausstellungstipp: ARCHITEKTUR FÜR DEN MENSCHEN
BALKRISHNA DOSHI

ARCHITEKTURMUSEUM DER TU MÜNCHEN
bis 19.01.2020

Das Architekturmuseum der TUM zeigt eine umfassende Retrospektive des indischen Architekten, Städteplaners und Lehrers Balkrishna V. Doshi (* 1927 in Pune, Indien). Er zählt zu den einflussreichsten Pionieren moderner Architektur in Indien. In über 60 Jahren architektonischer Praxis hat er eine Vielzahl von unterschiedlichen Projekten verwirklicht, wofür er 2018 mit dem renommierten Pritzker-Preis geehrt wurde.

Anhand einer Fülle von Originalzeichnungen, Architekturmodellen, Plänen, Malereien, Fotografien, Filmen und begehbaren Rauminstallationen wird sein Schaffen in den Bereichen Architektur, Städtebau, Design und Kunst umfassend präsentiert. Die Ausstellung »Balkrishna Doshi. Architektur für den Menschen« bringt Doshis Werk einem globalen Publikum näher und untersucht die ihm zugrunde liegenden Ideen und Ideale.

Seit den 1950er-Jahren hat er mehr als 100 Gebäude realisiert, darunter Verwaltungs- und Kultureinrichtungen, Siedlungen und Wohnhäuser. International bekannt wurde er durch seine visionären Stadtplanungen und sozialen Wohnprojekte sowie durch sein großes Engagement im Bildungsbereich. Zu den Pionierleistungen gehören unter anderem das Indian Institute of Management (1977-1992), sein eigenes Architekturbüro Sangath (1980) und die berühmte Wohnsiedlung Aranya für Menschen mit geringem Einkommen (1989). Balkrishna Doshis humanistische Haltung ist durch seine indischen Wurzeln ebenso geprägt wie durch seine westliche Bildung und den rapiden Wandel der indischen Gesellschaft seit den frühen 1950er-Jahren. Seine poetische und zugleich funktionale Architektursprache wurde maßgeblich von der Zusammenarbeit mit Le Corbusier in Paris, Chandigarh und Ahmedabad beeinflusst, darüber hinaus waren die Erfahrungen beim Bau des von Louis Kahn entworfenen Institute of Managements prägend für den jungen Architekten. Doshi ging jedoch in seiner Formsprache über diese frühen Vorbilder hinaus und entwickelte eine ganz eigene Herangehensweise zwischen Industrialismus und Primitivismus, moderner Architektur und traditioneller Form. Seine Praxis beruht auf einer nachhaltigen Herangehensweise und strebt nach der Verortung der Architektur in einem weitgefassten Zusammenhang von Kultur, Umwelt, Gesellschaft, Ethik und Religion.

Die Retrospektive ist in vier Bereiche gegliedert und beginnt mit einem Blick auf die Themen Heimat und Identität. Inspiriert von Mahatma Gandhis Lehren, entwickelte Doshi eine neue Methode für den sozialen und experimentellen Wohnbau. Diese basiert zum einen auf einem partizipatorischen Ansatz, der die zukünftigen Bewohner mit einbindet und bezieht zum anderen Anpassungen an die wechselnden Bedürfnisse und Anforderungen ein. Die Sozialsiedlung für die »Life Insurance Corporation of India« (LIC) (1973) oder die Wohnsiedlung »Aranya« (1989) in Indore sind beides herausragende Beispiele dafür. Das als Musterprojekt gebaute Aranya hat heute über 80.000 Einwohner. Ausgehend von einer Parzelle mit Fundament, Sanitärblock und einem einzigen Raum können die Bewohner dank eines Modulsystems den Wohnraum nach ihren Bedürfnissen, persönlichen Vorlieben und wirtschaftlichen Möglichkeiten individuell ausbauen und gestalten. Ein weiteres Beispiel für Doshis Wohnbauprojekte, allerdings in kleinerem Maßstab, ist sein eigenes Haus, das »Kamala House« (1963). Der Entwurf dieses weitläufigen und doch kostengünstigen Gebäudes mit kreuzförmigem Grundriss versorgt alle Räume mit viel Tageslicht, während isolierte Backsteinwände die sommerliche Hitze einfangen und dadurch kühlend wirken.

Der zweite Ausstellungsbereich richtet den Blick auf Doshis Hochschulgebäude. Als eines seiner Schlüsselprojekte gilt der Campus des »Centre for Environmental Planning and Technology« (CEPT) in Ahmedabad, auf dem Doshi über einen Zeitraum von 40 Jahren einige seiner bedeutendsten Bauwerke realisierte. Bereits 1968 gründete Doshi die multidisziplinäre »School of Architecture«, die sehr von seinem Ansatz des Austausches über die Fächergrenzen hinweg profitiert. Um den Dialog zwischen Studenten und Lehrkräften zu fördern, entwarf er das Gebäude als frei fließenden Raum ohne strenge Trennung der verschiedenen Bereiche. Sowohl die Gebäude als auch Studium und Lehre an der »School of Architecture«, die außerdem ein wichtiges Zentrum für Stadtplanung ist, haben die Architektenausbildung in Indien grundlegend verändert. Während das Hauptgebäude auf den Überresten einer alten Ziegelei gebaut wurde und mit seinem offenen Erdgeschoss über dem Boden zu schweben scheint, liegt der ebenfalls auf dem Campus befindliche Kunstraum »Amdavad Ni Gufa« (1994) teilweise unter der Erde als Antwort auf das heiße örtliche Klima – »gufa« bedeutet auf Gujarati »Höhle«. Seine sich sanft in die Umgebung einfügende Struktur aus unterschiedlich großen Kuppeln wurde zwar mit speziellen Computerprogrammen entwickelt, jedoch von ungelernten Arbeitern von Hand aus Abfallprodukten errichtet.

Der dritte Bereich der Ausstellung widmet sich Doshis großangelegten Stadtplanungsprojekten, für die beispielhaft die Entwicklung des Masterplans und der städtebaulichen Vorgaben für Vidhyadhar Nagar (1984) im nordindischen Rajasthan steht. Die Siedlung mit 15.000 Wohnungen wurde als energieeffiziente Stadt auf 350 Hektar Land am Rande von Jaipur konzipiert, dessen von einer Stadtmauer umschlossene Altstadt als Vorbild diente. Die Planung verbindet traditionelle städtebauliche Prinzipien mit aktuellen Bedürfnissen und äußeren Rahmenbedingungen, um die nötige Infrastruktur für 400.000 Einwohner bereitzustellen. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Gesundheitszentren und Spielplätze sind entlang einer zentralen Achse mit freien Flächen angeordnet. Die Verwendung von architektonischen Elementen wie Auskragungen und Balkone aus Naturstein trägt nicht nur zu einem besseren Mikroklima bei, sondern erinnert auch an die lokale vernakuläre Architektur.

Im letzten Ausstellungsbereich dreht sich alles um die zahlreichen institutionellen Bauprojekte, an denen Doshi in den vergangenen 60 Jahren mitgewirkt hat. Ein wichtiges Beispiel ist hier das »Indian Institute of Management« (IIM) in Bangalore (1977, 1992). Der ausgedehnte Campus entstand über einen Zeitraum von 20 Jahren, in dem der ursprüngliche Entwurf mehrfach ergänzt und verändert wurde. Die Innenhöfe sind als Gärten angelegt, in die begrünten Korridore fällt durch Pergolen und Durchbrüche natürliches Licht, sodass sich der Raumeindruck im Tagesverlauf immer wieder ändert. Beides dient der spontanen Kommunikation und bildet zugleich eine Erweiterung der Unterrichtsräume. Mit seinem faszinierenden Architekturkonzept ist das Indian Institute of Management zu einer wichtigen Denkfabrik geworden, die im Lauf der Jahrzehnte einen beachtlichen Beitrag zu Indiens wirtschaftlichem Aufstieg geleistet hat. Ein weiterer Meilenstein in Balkrishna Doshis institutioneller Architektur ist sein eigenes Architekturbüro »Sangath« in Ahmedabad (1980). Erinnerungen an das Haus seiner Kindheit und an Le Corbusiers Atelier in Paris werden im Raumvokabular dieses Gebäudes vereint. »Sangath« bedeutet auf Gujarati soviel wie »sich zusammen bewegen«, hier arbeiten drei Generationen von Doshis Familie Seite an Seite. Wie bei allen seinen Gebäuden sind die Umgebung, das Klima und die Funktion in den Entwurf eingeflossen. Das Atelier kann im Handumdrehen in einen Konzertsaal oder einen Vortragsraum verwandelt werden. Zwischen den Hochhäusern und der Hochbahn von Ahmedabad ist Sangath eine Oase der Ruhe inmitten der betriebsamen Stadt.

Die Ausstellung ist ein Projekt des Vitra Design Museums und der Wüstenrot Stiftung in Kooperation mit der Vastushilpa Foundation.

Kuratorin | Khushnu Panthaki Hoof
Kuratorin Vitra Design Museum | Jolanthe Kugler
Assistenzkuratorin | Meike Wolfschlag

Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne
Arcisstraße 21 | 80333 München

zum Bild oben:
Wohnhaus vor dem Einzug der Bewohner in seiner ursprünglichen Konfiguration:
»Housing for Life Insurance Corporation« (LIC), Ahmedabad, 1973
© Vastushilpa Foundation, Ahmedabad
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Hörspieltipps 
 
 
Hörspieltipp: Nacht der Gewinner*Innen
Preisverleihung von den ARD Hörspieltagen
Mit Gewinnern, Autoren, Regisseuren, Schauspielern und prominenten Gästen
Musik: Tini Thomsen
Moderation: Thomas Böhm
(Liveübertragung aus dem Medientheater des Zentrums für Kunst und Medien, ZKM Karlsruhe)
Zwei Stunden wird die vielseitige Erzähl- und Klangkunst des Hörspiels gefeiert. AutorInnen, SchaupielerInnen und RegisseurInnen warten auf die Entscheidungen der Jurys: Der ARD PiNball wird für das beste Kurzhörspiel verliehen, vergeben werden der Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe und der Deutsche Kinderhörspielpreis. Prämiert wird der/die beste SchauspielerIn des Wettbewerbs, und das Publukum wählt seinen eigenen Favoriten. Eine rein weibliche Jury entscheidet über den Deutschen Hörspielpreises der ARD. Durch den Abend führt Thomas Böhm, der Gewinner und prominente Gästebegrüßt, u. a. Frank Elstner, der im Hörspiel seine Karriere begann, und Kai Gniffke, den neuen Intendanten des SWR. Die musikalische Begleitung kommt diesmal von Tini Thomsen und Band.

Samstag, 09. November 2019, 20:05 Uhr, ca. 120`00 Min.
ARD Hörspieltage 2019 - Nacht der Gewinner*innen - Preisverleihung
 
 



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